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Alle Inplayzitate
Vertat sie sich oder wirkte ihre Freundin als hätte sie ein Geheimnis? Sah man ihr an, zumindest Billie, weil sie dann schuldiger aussah als ein notorischer, adipöser Dieb im Süßigkeitenladen, bei dem eben der Einbrecheralarm losgeschrillt war.
«Deine tetas sind richtig schön geformt», aber ihre Unterwäsche war sowas wie man von der Heilsarmee bekam, wenn sie einen nicht mochte.
Icarus. Der aus der griechischen Mythologie? Nein, der aus dem englischen Quidditch. Aha. Same same. Sie kannte beide nur vom Hören-Sagen.
Danke für nichts, wollte sie ihr sagen, kam aber nicht dazu, denn der Schalter in Sorens Kopf war bereits umgelegt, nein durchgebrannt. Von 98 auf 100 in 0,001 Sekunden. Gar nicht so beachtlich wenn man bedachte, dass der Iversen ohnehin nur zwei Gemütszustände kannte: pissed und really pissed.
Im Prinzip standen sie doch beide knietief im Mist. Mirrens stank gewaltig nach Alkohol und Radds - nun ja, war wohl ein Gemisch aus Harakiri und alltäglicher, emotionaler Taubheitsscheiße.
Sie war einfach Sasha. Hatte den Gefangenen entkommen lassen. Typisch Sasha. Hatte du-weißt-schon-wen in Brand gesteckt. Typisch Sasha. War alles möglich.
Wenn ihr Arm also aus irgendeinem Grund einmal abfallen würde, hätte sie immer noch zwei Beine, die auch zu Sinneswahrnehmungen fähig waren. Tröstend.
Nicht nur war er ausgesprochen pragmatisch, was ja irgendwo positiv gewesen wäre, er war auch noch unromantisch und seit seiner Jugendliebe nicht mehr in einer festen Beziehung gewesen. Mit anderen Worten: Liebeslegastheniker. Klarer Fall von Analphabetismus, wobei der Wortanfang das geringste Problem darstellte. Ha. Aber um Effis Willen gab er sich Mühe, sich ein wenig einzudenken in ihre Lage, so belastend die Vorstellung auch sein mochte, wie Effi mit Ivar zugange war. Dass das sein primäres Problem war, weniger die Idee, da könnten Gefühle im Spiel sein, malte seine Lebensrealität bunt wie Leute mit Angststörungen ihre Mandalas.
Ob das alles eine gute Idee war? Vermutlich nicht, es war ja schließlich ihre Idee.
Wahrscheinlich konnte immer nur einer die vorhandene Gehirnzelle nutzen und musste sie dann dem anderen übergeben, damit der seinen Teil dazu denken konnte. So sahen sie zumindest aus.
Die Irritation in seinem Blick, seiner Gestik lud geradezu dazu ein, VHS and Chill vorzuschlagen.
Noch immer leicht lächelnd betrachtete sie den Mann vor ihnen, der zum einen durchaus den Anschein machte froh darüber zu sein, gleich seines Weges gehen zu können, andererseits jedoch einen Ausdruck auf dem Gesicht trug, der geradezu dazu einlud, mit der flachen Hand begrüßt zu werden.
Was der reiche Snob von heute halt so essen wollte, Schaum, Kaviar, Quatsch mit Soße.
Atreus war wie ein Witz, den sie noch nicht so richtig verstand. Ihr fehlte die Pointe, aber die Richtung war okay.
Er seufzte leise, löste den Blick von ihr und liess ihn über das Haus und den angrenzenden Garten schweifen. Wie lange es wohl dauern würde, bis jemand ein lebloser Körper auf diesem Grundstück entdeckte? Und wie hoch war die Wahrscheinlichkeit, dass man äussere Einflüsse ausschloss und naheliegende Gründe verantwortlich für ihren Tod machte? Das Alter, die Gebrechlichkeit, die Trauer, der Wein. Sie hat nicht mehr gegessen, sie hatte einfach keinen Appetit mehr.
Spontanität musste sorgfältig geplant werden, ansonsten passte sie nicht in sein Leben.
«Die hat nicht so gewirkt, als würde sie schon einmal in ihrem Leben zugegeben haben, falsch gelegen zu sein.» Nein, diese alte Schreckschraube lebte doch davon, auf den Scherben von Existenzen die Karriereleiter hochzusteigen. Ob das ein Minderwertigkeitskomplex auf Grund ihrer Körpergrösse war? Wobei Grösse in diesem Zusammenhang ja schon fast lachhaft war. Körpergeringgrösse. Körperkleinigkeit.
«Hast du ein Problem?», knurrte er nur und ruckte mit dem Kinn auf die Splitter zu seinen Füssen, die vom Hauselfen besorgt betrachtet wurden. «War das ein verdammtes Artefuckt oder was?» War ja wahrscheinlich keine Ming-Vase gewesen, die ihm hier zum Opfer gefallen war, sondern irgendein Dreck, den Ivar aus dem Müll gefischt hatte.
Gab es in der verbotenen Abteilung in der Hogwarts Bibliothek einen Bilderband zu Sexualität im Wandel der Zeit?
„Hast du Lust noch irgendwo ein bisschen rumzuknutschen?“
«Ist das dein Fickschnitzel?», grollte er spöttisch, während er sich nicht besonders elegant aufzurappeln versuchte, aber das behinderte Knie war nicht in der Lage, sein Gewicht hochzudrücken. Also verharrte er in seiner Position, als wolle er einen verfickten Heiratsantrag machen, links auf dem Fuss, rechts auf dem Knie, während er innerlich die Schwäche, die er damit zeigte, verfluchte.
Abseits der Stock-im-Arsch-Atmosphäre des Ballsaals war ohnehin alles eine Steigerung im positiven Sinne. Noch ein weiteres kleines Gericht auf einem überdimensionierten Teller und ein paar weitere, pathetische Worte und Vitus hätte sich die Dessertgabel in den Unterarm gerammt, um irgendetwas zu fühlen, das nicht das agonisierende Schwinden seiner Lebensjahre illustrierte.
„Davon träumst Du wohl. Als ob ich mich von so einem kleinen Malheur aufhalten ließe!“, empörte sie sich unernst und ließ ihr Gewicht in ihre Hüfte sinken, krempelte die nicht vorhandenen Ärmel hoch, um Aspen herausfordernd entgegenzublicken, ehe sie sich erneut der Aufgabe stellte, dem Burger zu zeigen, wer hier der einzig wahre Snack im Haus war.
Sie war nicht hier um Stress anzuzetteln. Nichts lag ihr ferner und sie war sich absolut sicher, dass er gewinnen würde. Bei egal was. Duell, Zauberschach, Armdrücken, Stadt-Land-Fluss.
Dass er jetzt ein womöglich eher unfreiwilliges Mitglied der fragwürdigen Familie der Exilantin war, war ihm hoffentlich klar. Sie täte sicher gut daran ihn darüber zu informieren, aber wie sollte sich das gestalten, sie verstanden sich ja nicht einmal richtig wenn es darum ging was sie zum Abendessen aussuchen sollten, dann konnte sie ihm kaum ausführlich begründen, dass sie ihn aufgenommen hatte wie einen streunenden Hund, der folglich Valois-Travers in seine europäischen Reisedokumente eingetragen bekam. Hübsches Halsbad, Tattoo ins Ohr und schon war er sicher vor einer möglichen Strafverfolgung aufgrund einer mangelnden Aufenthaltsgenehmigung.
Sie hielt ihm die Klamotten hin, verlor den Halt der Socken, die zu Boden fielen. Sie hätte sich bücken können um sie aufzuheben, wäre dann aber Moby sehr nahe gekommen und irgendetwas sagte ihr, dass sie in ihrer Beziehung noch nicht soweit waren.
Von einer Tasse, die liebevolle Erinnerungen in sich trug und in den Tiefen ihres Schrankes verweilte, bis zu Vorwürfen war es nur ein Katzensprung.
Die Armut des Pöbels war nicht sein Problem, höchstens sein Ärgernis.
Helfen, es war einer dieser Begriffe, die in Sorens Wortschatz keiner expliziten Bedeutung zugewiesen war. Auf jeden Fall keiner mit positiver Auslegung, wenn er jemandem half, dann damit, ihn von seinen Zähnen zu trennen oder Anspruch auf einen Platz in der Abteilung für Langzeitbehinderte im Mungos zu erheben. Eine alte Dame hätte er höchstens mit einem Arschtritt über die Strasse befördert und wenn er jemandem die Tür ins Gesicht schlagen konnte, dann setzte das Endelphine oder andere kleine, springende Wichser frei, die ihn zumindest für einen Moment besänftigten.
Seine Stimme blieb ruhig, sein Blick wurde jedoch eine Spur schärfer, als er den ihren suchte, der so ziellos herumglitt, als suche sie etwas, dass sie längst verloren hatte. Ihre Bestimmung im Leben? Ihre Würde? Wein?
Er stützte den Ellbogen auf den Tisch, die Zinken der Gabel in seiner Hand zeigten in Richtung der Geschwister, während er den Kopf in Lyannes Richtung neigte, ohne die beiden aus den Augen zu lassen. «Ich wusste gar nicht, dass Einzeller auf dieser Feier zugelassen sind. Früher hat man hier noch Wert auf Qualität gelegt.» Jes lehnte sich in seinem Stuhl zurück, sein Blick schweifte über andere Anwesende, ohne sie konkret wahrzunehmen. Im Grunde genommen richtete sich seine Aussage aber an jeden.
[...] schlüpfte in seine Klamotten. Sie waren immerhin sauber geblieben… oder waren gesäubert worden? Er wusste es nicht mehr, sie rochen auf jeden Fall frisch gewaschen und nach einer leichten Prise Reichtum, so wie er selbst eben.
Sasha wollte schon fast protestieren als er nach einem Buch griff um seinen anderen Zauberstab zu verbergen, musste dann jedoch unkontrolliert lachen als ihr Blick auf das Exemplar fiel. Das Buch. „Moby Dick steht dir.“
Hatte er seine Hose unterwegs verloren? Sie versuchte sich daran zu erinnern, sich vorzustellen ob er wohl als Hund mit Hose durch die Gegend gerannt war. Und wenn ja, wie trug ein Hund eigentlich eine Hose? Nur über den Hinterbeinen oder über alle vier? War es dann vielleicht ein Jumpsuit?
„Trägst Du dein Oberteil falschherum?“, fragte Mr Miller unvermittelt und zog die Brauen zusammen. Jack stutzte. „Quatsch, nein.“ – „Doch, tust Du wohl.“ – „Blödsinn.“ – „Jetzt schau doch mal hin! So gehst Du raus? Nein, halt, wir sind ja drinnen… Seit wann sind wir drinnen? Eben war ich noch draußen und-“
Sie musterte ihn von oben bis unten, musste sich nicht einmal anstrengen, ihn mit Verachtung zu strafen. Alles konnte man ihr nehmen, aber ihre überhebliche Art schlecht angezogenen Menschen gegenüber würde sie mit ins Grabe tragen. „Und jetzt verschwinde von meinem Grundstück, deine Anzugsordnung lässt die Blumen verwelken.“
Maurice war das Ebenbild eines Mannes in einem Modekatalog, so verweichlicht, wie er nach Miss Sixty roch.
Sie eilte wieder nach unten, bei ihrem Glück hatte Jack mittlerweile ihre Schokolade gefunden und aus Trotz gefressen, einfach um ihr die Chance auf Vergebung zu vermasseln. Würde ja zu ihm passen! Behauptete sie jedenfalls einfach mal.
„Ich hab glaub ich nichts für dich zu Essen, Schokolade darfst du in deinem Zustand nicht. Chips vielleicht? Ist das giftig für Hunde?“ Sie kramte eine Tüte aus dem Handschuhfach, sah sich die Zutatenliste an. „Sollte passen. Oh, Wasser!“ In der Küche des Buses füllte sie eine Müslischale mit Wasser und eine weitere mit den Chips, stellte ihm schließlich beide auf den Boden. „Oder auf den Tisch?“, fragte sie mehr sich selbst, schüttelte dann aber den Kopf. Als Mensch wäre es ihm sicherlich lieber, aber als Hund wäre es vielleicht eine größere Herausforderung vom Tisch zu essen als vom Boden. War auch für sie als Mensch manchmal eine große Herausforderung.
Aislin hatte überhaupt keine Ahnung von Gedächtniszaubern und vor ihr stand ein Vergissmich, der wohl am liebsten sein Handwerk bei sich selbst angewendet hätte. Oder so aussah. Immerhin war er noch nicht weggerannt. Hätte er wahrscheinlich auch nicht richtig gekonnt, ohne sie mitzunehmen, weil sie ja seine Hand hielt.
Er hatte schon öfter Komplimente für seine Rückseite bekommen und er wusste, dass sie in den Stoffhosen, die er gewohnheitsmäßig trug, besonders zur Geltung kam. Kaiserlich, ja, königlich, auf jeden Fall. Royaler Rumpf.
Ja, so konnte man sich auch ganz nachbarschaftlich kennenlernen. Mit 'ner Lebenskrise. (Schon wieder.)
Und was machte Ruth? Die schaute ihn an, als würde er genau das machen. Wie einen verlorenen Hund. Dabei ging’s um eine verlorene Katze. Eine Katze, die nie verloren gegangen war, seit er sie mehr oder weniger aus dem Müll gefischt hatte. Das war sowas wie Schicksal gewesen. Müll fand Müll. Sie gründeten eine Müllfamilie. Herr Müll und sein katzenförmiges Müllbündel.
Nein, es war rein gar nichts okay. Und am liebsten hätte Felix genau das gesagt, aber dann, so fürchtete er in seinem heimlichen, innerlichen Hinterzimmer, wo er heimliche Heimlichkeiten dachte, würde er sich erstens blamieren, weil es gesellschaftlich nicht unbedingt anerkannt war für einen Mann in seinen Dreißigern einen handfesten Nervenzusammenbruch wegen seiner Katze zu kriegen, und zweitens würde Ruth (er hatte sich ihren Namen gemerkt, das war schon anzuerkennen) das vielleicht direkt als Attacke wahrnehmen und die Plärrerei würde von vorne losgehen.
Suck it up, buttercup, we’re going to a funeral. Und wenn sie das tatsächlich taten, mussten sie gewappnet sein. Felix winkte den Barkeeper zu sich heran. „Die Flasche, bitte. Wir müssen jemanden zu Grabe tragen.“ Und damit war niemandes Würde gemeint.
„Seid ihr denn …“ Seine Nackenhaare stellten sich beim Gedanken alleine schon auf. Sträubten sich wie bei einer Katze. „… offiziell und so? Also, was soll ich Soren sagen? Was das is‘ mit euch?“ Wahrscheinlich juckte es den gar nicht. Oder er ließ seinen Missfallen an Felix aus. Alles möglich im Land, wo Kartoffelsalat und Gleitgel flossen.
„Ich?“ Das kam eine Oktave zu hoch von ihm. Mindestens. Er sollte Soren erklären, was sein Bruder so tat? Dass er mit Effi Jatatatata betrieb? Er ließ es einen Moment sacken. Dann seufzte er, gab sich endgültig geschlagen. Da war so eine Metapher mit dem Kind und dem Brunnen und das hier war ein ganzer Kindergarten und ein Baggersee.
In Sachen Spitzenidee keine Spitzenreiter. In ihrer Klasse schon spitze, aber das war eben jetzt nicht die Abschlussklasse mit den besten Noten. Eine Klasse für sich. Er wollte es ja gerne anders sehen, aber es war so, so schwer. Richtig schwer. Wie ein dicker Mann, der andere beim Saunieren belästigte.
Sie schwebte ja irgendwie auf ihrer Wolke aus Vögelsmog und Smørrebrød. Und er klang so, als fände er es richtig scheiße, dass sie jetzt Knäckebrot in Kartoffelsalat tunkten.
G
ut, wenn Felix das mehr und mehr enttäuschte Gesicht seiner allerbesten Freundin in der großen, weiten Welt sah, dann tat’s ihm ehrlich Leid, dass er nicht vor Aufregung losgekreischt hatte wie eine Dreizehnjährige, mit seinen Zöpfen gespielt und mit seinen Füßen getrippelt hatte. War auch schwer. Also, nicht das mit den Zöpfen. Effi hatte ihm erst die Tage welche gebunden und er hatte verschissen bezaubernd ausgesehen. |
Es ist: 17.04.2026, 20:05
